Die Hochzeitsrede
 
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"Mach's Maul auf. Tritt fest auf. Hör' bald auf." Diese goldene Regel von Martin Luther sollten Sie auf jeden Fall beherzigen, wenn Sie eine Hochzeitsrede halten möchten.

 
Die drei Grundregeln im Klartext:
  • Klar und deutlich reden.
  • Fest mit beiden Beinen auf dem Boden stehen (das hilft auch gegen Nervosität, für die es im Kreise von Verwandten und Freunden allerdings gar keinen Grund gibt).
  • Sich kurz fassen (ungeschriebene Regel: Keine Hochzeitsrede über 5 Minuten - sonst wird das Essen kalt).
 
Die Vorbereitung:
  • Eine gute Vorbereitung wird sich während der Hochzeit auszahlen. Nehmen Sie sich dafür viel Zeit! Sie wissen genau, was Sie sagen wollen und haben weniger Lampenfieber.
  • Schreiben Sie sich die Rede stichwortartig auf. Jedes Stichwort sollte Sie dabei an einen Teil der Rede erinnern. Schreiben Sie die Stichworte möglichst groß und deutlich, damit Sie sie auch lesen können, wenn die Lichtverhältnisse nicht ideal und Sie nervös sind.
  • Schreiben Sie Ihre Stichworte auf einzelne Karten, die Sie später z.B. mit einer Kordel zusammenbinden, damit sie nicht durcheinander kommen.
  • Eine gute Vorbereitung wird sich während der Hochzeit auszahlen. Nehmen Sie sich dafür viel Zeit! Sie wissen genau, was Sie sagen wollen und haben weniger Lampenfieber.
  • Üben Sie die Rede vorher mehrfach. So wissen Sie, wie lange Sie brauchen. Und Sie können sie frei halten - das macht allemal mehr Eindruck als wenn Sie die Rede, versteckt hinter einem zitternden Konzeptpapier, ablesen.
 
Der Inhalt:
  • Überlegen Sie sich gut, was Sie sagen möchten.
  • Vielleicht gibt es ein Gedicht oder ein Zitat, das Ihnen viel bedeutet und das auch Sie vielleicht schon durch Ihre Ehe begleitet hat? Das ist ein sehr schöner Anfang für die Rede, die dadurch auch gleich einen ganz persönlichen Touch erhält. Oder Sie stellen eine provozierende These auf. Damit haben Sie gleich die volle Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer.
    Oder Sie beginnen mit einem aktuellen Aufhänger, der alle Gäste mit einbezieht. Z.B. einer Bemerkung über die schöne Trauung. Oder die wunderhübsche Braut.
  • Wenn Sie nicht so recht wissen, welche Inhalte Ihre Rede haben soll, fragen Sie in der Verwandtschaft und bei Freunden des Brautpaares nach Anekdoten und Geschichten.
 
Welche Themen sind passend?
  • Verwenden Sie nur "netten" Humor, der der Situation und allen Hochzeitsgästen - inklusive Kindern und Großmüttern - angemessen ist. Kleine Anekdoten, die lustig sind und an die sich vielleicht nicht einmal mehr das Hochzeitspaar erinnert, die Kennenlern-Story, bei der man als Trauzeuge vielleicht sogar zugegen war etc. sind, stellen eine persönliche Verbindung her und kommen von Herzen (mehr als eine Rede von der Stange).
 
Welche Themen sind unpassend?
  • Vermeiden Sie Humor auf Kosten anderer: Achten Sie darauf, dass Sie niemanden verletzen und keine derben Witze über Beteiligte oder Randgruppen reißen. Vermeiden Sie allzu viele Insider-Witze, damit schließen Sie einen Teil der Gesellschaft von Ihrer Rede aus.
    Falls das Brautpaar eine allzu turbulente Vergangenheit hat: Graben Sie kein Material aus, das die beiden bloßstellen könnte. Auch wenn Sie einen Witz unter der Gürtellinie gut finden - das muss nicht allen so gehen!
    Und noch etwas: Versaute Witze sind meistens unwitzig und passen nicht zum feierlichen Anlass.
 
Lampenfieber?
  • Wenn Sie wirklich Lampenfieber haben, denken Sie dran: Jeder im Saal ist auf Ihrer Seite! Sie haben sich vorbereitet! Sie wissen, was Sie sagen wollen!
  • Und wenn das alles nichts hilft: Bauen Sie einfach Ihre Wackelnerven in die Rede ein, z.B.: "Ich hatte eigentlich vor, eine Rede zu halten. Allerdings verhindert das momentan der Knoten in meiner Zunge". Oder: "Die folgende Rede wird Ihnen mit der freundlichen Unterstützung von Baldrian Dispert präsentiert."
  • Vergessen Sie nicht zu atmen: Durch die Nase einatmen, bis zehn zählen, ausatmen, noch mal bis zehn zählen.
  • Es wird vorbei sein, bevor Sie es wirklich merken.
 
Jetzt geht es wirklich los:
  • Machen Sie nur kurze, einfache Sätze. Jeder Satz sollte eine Botschaft enthalten. Sprechen Sie in lebendigen Worten und nicht gestelzt. Variieren Sie Rederhythmus (mal längere mal kurze Sätze) und Lautstärke. Ihre Rede wird dadurch lebendiger, man hört Ihnen lieber zu. Am Allerwichtigsten: Bleiben Sie Sie selbst.
  • Bauen Sie Fragen ein. Damit wenden Sie sich direkt an Ihre Zuhörer und beziehen Sie ein.
  • Körpersprache ist wichtig: Stellen Sie sich ruhig hin und machen Sie eine Pause, bevor Sie beginnen. Warten Sie in Ruhe, bis Sie die Aufmerksamkeit aller Gäste haben. Reden Sie dann in normalem Tempo, eher etwas langsamer.
  • Vergessen Sie nicht, in die Runde zu lächeln und soviel wie möglich, den Augenkontakt zu halten. Sie werden sehen, alle Gesichter sind Ihnen lächelnd zugewandt, niemand will Ihnen etwas böses. Es wird Ihnen helfen, sich wohler und entspannter zu fühlen.
  • Sie müssen nicht unbedingt die ganze Zeit sprechen - machen Sie ruhig Pausen. Die geben nämlich Ihnen und dem Publikum Gelegenheit, über das Gesagte nachzudenken. Sie wirken dadurch souverän und ruhig.
  • Bloss nicht:
    Sprechen Sie nicht, wenn Sie gerade Ihre Notizen lesen. Stattdessen gucken Sie kurz auf Ihre Notizen, schauen wieder geradeaus, lächeln und sprechen.
    Spielen Sie nicht mit Kleingeld in der Hosentasche oder wippen Sie von einem Bein aufs andere.
 
Wer redet wann was?
  • Die Hochzeitsreden werden traditionell während des Hochzeitsessens gehalten. Noch genauer gesagt: Zwischen der Vorspeise und dem Hauptgericht/ersten Gang. Es startet der Brautvater, dann folgt der Vater des Bräutigams.
  • Inzwischen sind diese strengen Regeln aber nicht mehr Gesetz. Auch die Brautmutter und die des Bräutigams melden sich zu Worte. Meistens spricht auch das Brautpaar ein paar Sätze, bedankt sich bei den Gästen etc. Also, wie bei allen anderen Punkten zum Thema Hochzeitsplanung gilt: Erlaubt ist, was Ihnen gefällt!
 
Zu guter letzt:
  • Es gibt spezielle Bücher mit Tipps und Anregungen für Hochzeitsreden. Das Internet kann auch eine Hilfe sein. Am schönsten wird es aber bestimmt für das Paar und die anderen Gäste, wenn Sie eine ganz persönliche Rede verfassen - nur für diese eine spezielle Hochzeit und nur für dieses eine spezielle Paar.
  • Noch einmal, weil es gar so wichtig ist: Halten Sie Ihre Rede kurz. Weniger ist definitiv mehr. Lieber eine kurze Rede, die von Herzen kommt und genau das aussagt, was Sie sagen möchten, als eine, die jeden langweilt, weil Sie nicht auf den Punkt kommt.
  • Überlegen Sie sich vorher, ob Sie vielleicht einige Requisiten zur Hilfe nehmen. Wenn sie befürchten, dass Sie während der Rede zu gerührt sind und in Tränen ausbrechen - warum nicht einfach eine Riesenpackung Taschentücher mitnehmen und zu Beginn in die Hochzeitgesellschaft schmeissen?
 
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Glück haben

Wenn Sie ein Paar finden, das ihre Hochzeit so organisiert, dann können sie sich ruhig zurücklehnen!

 
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