
Rund um die Ehe gibt es zahlreiche Traditionen, die zum Teil noch aus vorchristlicher Zeit stammen. Viele von Ihnen werden heute noch gepflegt. Auch wenn - oder vielleicht gerade weil - sie uns inzwischen häufig komisch erscheinen und wir die Hintergründe gar nicht mehr kennen. Was steckt denn nun eigentlich hinter dem Polterabend? Oder hinter dem Brauch, die Braut über die Schwelle zu tragen?
Der wohl Bekannteste und Gebräuchlichste ist der Polterabend. Der Name Polterabend kommt vom "Poltern", denn die Gäste bringen alle Porzellan (oder Steingut) mit, welches sie vor dem Betreten des Hauses zerschmeissen. Damit werden die bösen Geister vertrieben und das Glück des Paares gesichert. Es ist Aufgabe des Paares, gemeinsam die Scherben zusammenzukehren. Das zeigt, dass die Beiden in Zukunft alles gemeinsam meistern wollen. Ein altes Sprichwort besagt: Je mehr Scherben, desto mehr Glück. Glas darf auf keinen Fall zum Poltern verwendet werden, da Glas ein Symbol für Glück ist. Es zu zerschlagen, bedeutet das Glück zerschlagen.
In einigen Gegenden wird vor dem Polterabend noch der Junggesellenabschied gefeiert. Dazu trifft sich der Bräutigam mit seinen Freunden. Oftmals wird dabei sehr ausgelassen gefeiert. Inzwischen gibt es auch Frauenrunden - da feiert dann natürlich die Braut mit ihren Freundinnen, was unter Umständen auch sehr ausgelassen gefeiert wird ...
Wenn die Braut Ihre Hochzeitsschuhe mit gesammelten Rappen bezahlt, demonstriert sie damit ihre Sparsamkeit. Ausserdem sollen die Rappen Glück bringen. Und wenn die Braut ihre Schuhe selbst kauft, läuft sie ihrem Bräutigam nicht weg.
Auch heute noch Brauch: Ein Rappen im Brautschuh sorgt dafür, dass das Geld in der Ehe nicht ausgeht.
Am Hochzeitstag trägt die Braut - gemäss einer angelsächsischen Tradition ("Something old, something new, something borrowed, something blue") vier ganz spezielle Dinge: etwas Altes - vielleicht ein Schmuckstück der Grossmutter oder Mutter, um die Familientradition weiterzuführen; etwas Neues - als Zeichen für Optimismus, z.B. das Brautkleid; etwas Geliehenes - von einem glücklichen Menschen, kann ein Taschentuch sein; etwas Blaues - als Assoziation mit der Jungfrau Maria, meist ein Strumpfband.
Früher mussten die Brautjungfern unverheiratete Mädchen sein. Sie sollten die Geister, die der Braut Böses wollen, in die Irre führen. Dementsprechend mussten die Brautjungfern Kleider ähnlich dem der Braut tragen.
Freunde spannen nach der Trauung vor die Kirchentür ein Seil. Indem der Bräutigam einen Tribut zahlt, kauft er sich von seinen Jugendsünden frei und gleichzeitig das Wegerecht aus der Kirche. Eine andere Version sagt, dass das Seil die erste Zerreißprobe der Ehe darstellt. Das Seil soll nicht das Brautpaar aufhalten, sondern die bösen Geister.
Die Freunde, Verwandte oder Vereinskameraden bilden vor dem Kirchportal ein Ehrenspalier aus Blumen oder Dingen, die z.B. mit dem Hobby des Brautpaares zu tun haben.
Freunde des Brautpaars bilden eine Gasse, durch die das Brautpaar gehen muss. Das Brautpaar wird dabei behindert, dies soll bedeuten, dass auch Stolpersteine in der Ehe überwunden werden müssen.
Beim Verlassen des Standesamtes (der Kirche) werfen die Gäste Reiskörner über das Paar. Damit soll die Fruchtbarkeit symbolisiert werden. Es ist aber ratsam, sich vorher mit den Hausherren (Standesbeamte, Pfarrer) abzusprechen, denn manchmal trifft dieser Brauch auf Unmut wegen der Verunreinigung oder aber auch, weil Vorbehalte bestehen, mit Nahrungsmitteln zu werfen. Eventuell ist Konfetti eine Alternative.
Nach der Trauung - in der Regel vor dem Kirchenportal oder aber bei Verabschiedung in die Flitterwochen - wirft die Braut den Brautstrauß in die Menge der versammelten Gäste. Wer ihn fängt, so die Bedeutung, könnte als nächstes in den heiligen Stand der Ehe treten. Früher durften nur Jungfrauen den Strauß fangen. Inzwischen hat sich aber durchgesetzt, dass alle Unverheirateten die Hand danach ausstrecken dürfen.
Von Gästen werden hinten an das Brautauto leere Blechdosen an einer Schnur befestigt, so dass beim Fahren ein lautes Scheppern ertönt. Damit wird allen mitgeteilt: hier kommt ein frisch verheiratetes Paar. Alternativ oder zusätzlich wird das Brautauto von einem lauten Hupkonzert begleitet, an dem auch Unbeteiligte gerne teilnehmen.
Früher hatten es die Brautleute ganz schön einfach. Der Tradition zufolge übernahm der Brautvater die Kosten für die gesamte Hochzeitsfeier, inklusive Flitterwochen. Da die meisten Paare zum Zeitpunkt der Hochzeit aber schon selber Geld verdienen, kann das heute niemand guten Gewissens von den Eltern verlangen. Es besteht für die Brauteltern keinerlei Verpflichtung, die Rechnungen zu begleichen! Natürlich freut man sich als Brautpaar dennoch, wenn ein Teil der Kosten, z.B. die Miete für die Räumlichkeit, das Buffet sowie die Rechnungen des Fotografen oder des Limousinenservice übernommen werden.
Das Anschneiden der Hochzeitstorte ist eine der ältesten Traditionen rund um die Hochzeit. Man geht davon aus, dass die heutige Hochzeitstorte direkt von einer Art Kuchen abstammt, der bei den Römern einen wichtigen Bestandteil der Hochzeitszeremonie bildete. Confarreatio hiess die Trauzeremonie, wörtlich übersetzt: gemeinsames Kuchenessen. In England begann man schon vor vielen Jahrhunderten, für jede Hochzeit viele Torten zu backen. Die Torten wurden gestapelt, so dass sich ein hoher Turm bildete. Das Brautpaar musste nun versuchen, sich über diesen Turm hinweg zu küssen. Wichtig war dabei, dass sie den Kuchenstapel nicht umstiessen - das wäre dem Kindersegen abträglich gewesen.
Ein Symbol, wie Paare im Eheleben Hindernisse bewältigen können, ist das Zersägen eines Baumstammes. Unter dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" müssen die Brautleute entweder nach dem Standesamt oder nach der kirchlichen Trauung mit vereinten Kräften einen dicken Baumstamm zersägen. Die Freunde feuern zur Teamarbeit an.
Die Trauzeugen oder andere Gäste halten auf der Tanzfläche den Schleier über das tanzende Brautpaar. Nun hat jeder gegen einen kleinen (oder großen) Obulus die Gelegenheit ebenfalls mit der Braut zu tanzen. Wer also Geld in den Schleier wirft, darf den augenblicklichen Tanzpartner abklatschen.
Freunde der Braut entführen diese in einem Augenblick an dem der Bräutigam unaufmerksam ist. Nun beginnt eine Tour durch die Gaststätten der Umgebung. Auf jeder Station nehmen die Entführer und die Braut ein Getränk zu sich. Sie hinterlassen beim Wirt ihre Anschrift (für alle Fälle) und ziehen dann zur nächsten Gaststätte. Sobald der Bräutigam die Entführung entdeckt, nimmt er die Verfolgung auf. Er muss überall die entstandenen Zechen begleichen. Wenn der Bräutigam die Entführungs-Gruppe in einer Gaststätte einholt, ist der Spass zu Ende. (Bitte die finanziellen Möglichkeiten des Paares nicht über Gebühr strapazieren!)
Natürlich gibt es auch weniger „durstige“ Möglichkeiten. Der Bräutigam muss zum Beispiel Aufgaben (Schnitzeljagd) lösen, um seine Braut zu finden.
Wenn das Brautpaar sich auch um Mitternacht noch auf der Hochzeitsfeier befindet, dann ist der Brautschleier für die unverheiratete Gemeinde zum Zerreissen freigegeben. Die Grösse des jeweils ergatterten Stücks macht eine Aussage über die eigenen Heirats-Chancen. Das Brautpaar kann sich dieser Sitte entziehen, indem es sich rechtzeitig in die Hochzeitsnacht begibt.
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